Der Rauch
aus
Buckower Elegien
- Bertholt Brecht -
Das kleine Haus unter den Bäumen am See.
Vom Dach steigt Rauch.
Fehlte er
Wie trostlos dann wären
Haus, Bäume und See.
vendredi 28 novembre 2008
Der Rauch (Brecht)
samedi 1 novembre 2008
poème de novembre: Rudern, Gespräche - Brecht
Als Gedicht des Monats möchte ich diesmal eines aus Brechts Buckower Elegien nehmen. Wir haben diesen Band kurz in meiner Germanistikvorlesung angedeutet, die zwei-drei Gedichte, die uns der Professor vorgelesen hat haben mir sehr gefallen, darunter dieses Rudern, Gespräche.
Eigenartig- unheimliche Zusammensetzung von scheinbarer Idylle und Bedrohung. Irgendetwas stimmt nicht, die Welt ist nicht so Heil, wie sie aussieht. Ein Gedicht das wie die Stille vor dem Sturm.
Ich kanns kaum erwarten, bis das Buch endlich im Briefkasten liegen wird.
Nun, als Vorfreude:
Zwei Faltboote, darinnen
Zwei nackte junge Männer.
Nebeneinander rudernd
Sprechen sie. Sprechend
Rudern sie neben einander.
mardi 28 octobre 2008
Mutter Courage und ihre Kinder (Brecht)
Initialement, j'avais prévu de faire un compte-rendu du quatrième concerto de Beethoven par Kissin, Sir Colin Davis et le London Symphony Orchestra. Sauf qu'en allumant ma chaîne stéréo pour y glisser le CD, je suis tombée sur une pièce pour violoncelle solo avec orchestre rediffusée par Espace 2. [Ah! On dirait les terribles Variations sur un thème rococo de Tchaïkovsky. Bigre, bonne chance au soliste!]
Donc pas de CD Review ce soir, mais une critique littéraire.Autor: Bertolt Brecht
Originaltitel: Mutter Courage und ihre Kinder
Erste Ausgabe: 1938
Übersetzung: -
Mutter Courage und ihre Kinder ist mit sicherheit Brechts bekannteste Stück. Wie ich letzten Freitag bereits schrieb, gehören Brecht und seine scharfe Ironie zu meinen Favoriten.
Ein überwältigendes Stück, von dem man nicht unberührt bleibt.
Die Geschichte spielt im Dreissigjährigen Krieg in Deutschland und Polen. Mutter Courage zieht mit ihrem Planwagen durch die Krieggebiete und verkauft den Soldaten ihre Wahre. Sie sucht immer das Beste für ihre Kinder und sich seblst und lebt sozusagen vom Krieg, da sie Sachen für das Heer anbietet.
Und geht er über deine Kräfte
Bist du beim Sieg halt nicht dabei.
Der Krieg ist nix als die Geschäfte
Und statt mit Käse ists mit Blei.
singt die Courage. Und der Feldprediger meint sie sei eine Hyäne des Schlachtfelds. Wenn ich Sie den Frieden entgegennehmen seh wie ein altes verrotztes Sacktuch, sagt er, mit Daumen und Zeigefinger, dann empör ich mich menschlich; denn dann seh ich, Sie wollen keinen Frieden, sondern Krieg, weil sie Gewinne machen, aber vergessen Sie dann auch nicht den alten Spruch: "Wer mitn Teufel frühstücken will, muss ein langen Löffel haben!"
Eine unmenschliche Frau, die über keine Moral mehr Verfügt, die mit dem Krieg Geschäfte macht. Das kann man gut in Brechts Gegenwartsgeschichte verstzen, und darin eine scharfe Kritik an die vergangenen Kriege lesen. Dennoch sehe ich vor allem das Sozial(istisch)e Plädoyer des kommunistischen Brecht. Wenn im Leben des Galilei vor allem die aufsteigende NS-Diktatur denunziert wird, so geht es in Mutter Courage um die armen Leuten, die keine Seele mehr haben, und deren einziger Gedanken ist, sich und ihre Familie zu ernähren, so wie ein Tier keine anderen Sorgen hat als das es und seine Jugen überlebt. Lässt Brecht nich Mutter Courage erklären:
Die armen Laut brauchen Courage. Warum, sie sind verloren. Schon dass sie aufstehen in der Früh, dazu gehört was in ihrer Lag. Oder dass sie einen Acker umpflügen, und im Krieg! Schon dass sie Kinder in die Welt setzen, zeigt, dass sie Courage haben, denn sie haben keine Aussicht. Sie müssen einander den Henker machen und sich gegenseitig abschlachten, wenn sie einander da ins Gesicht schaun wollen, das braucht wohl Courage. Dass sie einen Kaiser ind einen Papst dulden, das beweist unheimliche Courage, denn die kosten ihnen das Leben.
Ähnlich wie in Zolas Rougon Macquart geht durch die zu grosse Not den armen Leuten Seele verloren. Wie auch Mutter Courage trocken gesteht: Ich hab aber keine Seel. Dagegen brauch ich Brennholz.
Auch das tragische Ende, in dem die Mutter einsam weiterzieht gleicht den Romänen der Rougon Macquart. Nichts hat sich geändert, der Krieg wütet weiter, die Mutter Courage hat zwar ihre drei Kinder verloren, sieht aber nicht ein, dass sie durch ihr Verhalten sich selbst die Glieder abgeschnitten hat. Und sie spannt sich an ihrem schäbigem Planwagen, und treibt ihren Handel weiter.
Bild:
Helen Weigel als Mutter Courage
Ost-Berlin, 14. Februar 1954
Deutsches Historisches Museum, Berlin
vendredi 24 octobre 2008
Leben des Galilei (Brecht)
Autor: Bertolt Brecht
Originaltitel: Leben des Galilei
Erste Ausgabe: 1943
Übersetzung: -
Auszug:
ANDREA aufschreiend: Das werden sie nicht wagen! Und selbst wenn sie es ihm antun, wird er nicht widerrufen. "Wer die Wahrheit nicht weiss, der ist bloss ein Dummkopf. Aber wer sie weiss und sie eine Lügen nennt, der ist ein Verbrecher."
FEDERZONI Ich glaube es auch nicht, und ich möchte nicht mehr leben, wenn er es täte, aber sie haben die Gewalt.
ANDREA Man kann nicht alles mit Gewalt. FEDERZONI Vielleicht nicht.
DER KLEINE MÖNCH leise: Er ist 23 Tage im Kerker gesessen, Gestern war das grosse Verhör. Und heute ist die Sitzung.
Da Andrea herhört, laut: Als ich ihn damals, zwei Tage nach dem Dekret, hier besuchte, sassen wir dort drüben, und er zeigte mir den kleinen Priapgott bei der Sonnenuhr im Garten, ihr könt ihn sehen von hier, und er verglich sein Werk mit einem Gedicht des Horaz, in dem man auch nichts ändern kann. Er sprach von seinem Schönheitssinn, der ihn zwinge, die Wahrheit zu suchen. Und er erwähnte das Motto: hieme et aestate, et prope et procul, usque dum vivam et ultra. Und er meinte die Wahrheit.
Meine Meinung:*****
Brecht ist Weltklasse! Der ist jetzt im Nu in meine Favoriten gelandet und darf nun neben Thomas Mann, Akhmatova, Dostoievsky, Proust und Rimbaud sitzen.
Brechts knirschende Ironie geht in diesem Theaterstück Hand in Hand mit einer wunderschönen Melancholie, ein zweites Gesicht des Schriftstellers, die ich gar zu oft vergesse. Brecht ist nicht nur Meister der süss-saurer Ironie, er ist auch ein sensibles Gemüt, dass auch ohne schwarzem Humor Wahrheiten ganz deutlich klarstellen kann, wie es den Ausschnitt oben genannt zeigt.
Über die Treue zur Wahrheit, und die Erzählung geht jeden von uns etwas an. Man schliesst dieses Buch mit der gravierenden Frage:
Was ist mit mir?
Bleibe ich der Wahrheit treu? Bleibe ich frei, oder lasse ich mich erpressen, die Wahrheit zu widerreden?
Was würde ich machen?
Ich liebe Brecht, weil wir bei ihm immer wieder neu in Frage gestellt werden, und ich bewundere seinen kraftvollen Stil.